Donnerstag, 16. Januar 2014

Wikibook: Einführung in die Fotografie

Das nachfolgende Buch gibt eine Einführung in das Gebiet der Fotografie. Es ist an Anfänger und Fortgeschrittene gerichtet, die sich einen grundlegenden Überblick über die Fotografie sowie über die Grundzüge des Fotografierens verschaffen möchten. Das Buch wird dabei, anders als die meisten klassischen Fotobücher, alle Aspekte des Fotografieren abdecken. Neben technischen und gestalterischen Mitteln sollen somit auch die Hintergründe der Fotografie und die Grundlagen der Bildgestaltung vermittelt werden.

  1. Einführung
  2. Grundlagen der Fotografie
  3. Grundlagen der Bildgestaltung
  4. Aufbau und Funktionsweise einer Kamera
  5. Das Fotografieren
  6. Die Bildgestaltung
  7. Digitale Bildbearbeitung


1. Kapitel - Einführung

Die Geschichte der modernen Fotografie ist nunmehr fast 200 Jahre alt, und seit ebenso langer Zeit begeistert sie die Menschen weltweit. Sie ist, physikalisch gesehen, ein recht einfaches Verfahren, dessen Grundzüge bereits im ausgehenden Mittelalter bekannt waren; und dennoch lässt sich ihre Bedeutung heute nicht mehr verleugnen. Wie keine andere Methode ermöglicht sie es jedem, einzelne Augenblicke dauerhaft festzuhalten und einen Blick in die Vergangenheit zu offenbaren. Sie kann beeindrucken, Interesse wecken und empören. Sie hat mal stark künstlerischen und mal nüchternen dokumentarischen Charakter. Sie ist für manche Menschen von hohem persönlichen Wert und für andere völlig uninteressant. Nach ihrer Entstehung hat sie es in kurzer Zeit geschafft, fast alle Bereiche des menschlichen Lebens zu erobern und erlebt insbesondere seit der Jahrtausendwende mit der Digitalfotografie eine bemerkenswerte Renaissance.

Fotografie - Festhalten von Momenten.

Kaum eine Kunst hat heute einen solch hohen Einfluss wie die Fotografie und der mit ihr verwandte Film. In unserer Gesellschaft werden wir kaum jemanden finden, der keine Kamera besitzt, sei es als Digitalkamera, ein Mobiltelefon oder ein Notebook mit eingebauter Kamera oder ähnliches. Es wird in unserem technisch ausgerichteten Kulturkreis auch kaum jemanden geben, der noch nie in seinem Leben Fotos aufgenommen hat, kaum jemanden, der nicht hin und wieder einmal Fotos aufnimmt, und auch kaum jemandem, der selbst keine Fotos besitzt. Gerade mit der Digitalkamera entstand ein Aufschwung in der Fotografie, der sich noch wenige Jahre zuvor kaum erahnen ließ. Waren die Aufnahmen von Laien im letzten Jahrtausend praktisch nur eingeschränkt und privat zugänglich, hat sich nach dem Aufkommen des Internets zusammen mit den Digitalkameras die Szene komplett gewandelt - jeder kann problemlos Aufnahmen machen und sie im Bedarfsfalle ohne nennenswerte Verzögerung via Internet veröffentlichen.

Auf den privaten Rechnern lagern heute oft tausende Urlaubs-, Familien- und Alltagsbilder, Foto-Gemeinschaften via Internet bieten gar Vorräte mit mehreren Milliarden Fotos. Blogs, Internet-Seiten, Nachrichtenseiten, Prospekte, Werbung, Produktkataloge und Flyer – sie alle werden meist durch reichhaltiges Bildmaterial ergänzt, von dem wiederum ein großer Teil Fotografien sind.

Trotz der offensichtlich weitreichenden Bedeutung und Verbreitung der Fotografie, die bewusst oder unbewusst Bestandteil unseres alltäglichen Lebens geworden ist, entsteht gelegentlich der Eindruck, dass erstaunlich wenig Menschen grundlegende Kenntnisse über die technischen und gestalterischen Grundlagen der Fotografie besitzen. Der erste Aspekt ist im Grunde nicht ungewöhnlich – man kann ein Auto fahren, ohne zu wissen, wie der Motor funktioniert oder welche internen Prozesse dabei stattfinden. Man kann ein Computerprogramm bedienen, ohne sonstige Computerkenntnisse zu haben, und viele Menschen lesen Belletristik, ohne über größere Literaturkenntnisse zu verfügen. In der Tat kann man heute in vielen Situationen zu guten Fotos gelangen, ohne die technischen Grundlagen der Kamera zu beherrschen – die Kameraautomatik kann erstaunlich Vieles. Möchte man aber mit Fotografie mehr anfangen als der Alltagsnutzer, so wird man bald feststellen, dass man an manchen Stellen ohne die Grundlagen nicht mehr auskommt, insbesondere in speziellen Situationen wie beim Fotografieren bestimmter Motive, zum Beispiel Makroaufnahmen, Fotografieren während der Dämmerung, Darstellen von Bewegung etc. Der Automatikmodus der Kamera wird hier schnell an seine Grenzen stoßen und ein manuelles Einschreiten ist unvermeidlich – spätestens dann sollte man die Grundlagen über Belichtung, Fokussierung und Weißabgleich verstehen. Was besagt eigentlich der ISO-Wert? Wie hängen Blende und Belichtungszeit zusammen? Warum verwackeln Fotos manchmal oder werden unscharf? Was ist eigentlich die Brennweite und welchen Einfluss hat sie auf das Foto? Das sind Standardfragen, die jeder ambitionierte Hobby-Fotograf beantworten können sollte, und sie werden in diesem Buch in ausführlicher Weise beantwortet.

Der zweite Aspekt, die Bildgestaltung, ist von noch größerer Bedeutung als der erste; wie gut die Kamerautomatik auch sein mag, die Gestaltung eines Fotos muss der Fotograf stets selbst vornehmen. Hier wird ihm niemand die Arbeit abnehmen, und erst hier entscheidet sich, ob das Foto ein einfacher Schnappschuss oder ein interessantes Kunstwerk wird. Wo sollte das Motiv platziert werden (und was ist eigentlich das Motiv)? Aus welcher Perspektive sollte es fotografiert werden? Welche Perspektiven gibt es überhaupt? Welche Arten von Licht gibt es, wie wirkt sich das Licht auf das Bild aus? Welche Rollen spielen Farben in einem Bild? Bei der Gestaltung gilt es eine Handvoll bewährter Regeln anzuwenden, die aus einem Schnappschuss ein anspruchsvolles Foto machen können, und diese Regeln werden in diesem Buch ebenfalls ausführlich vorgestellt. Dabei wird sich zeigen, dass man bei der Bildgestaltung ebenfalls nicht ganz ohne technisches Hintergrundwissen auskommt.

In dem vorliegenden Buch werden daher, neben den Grundlagen, vor allem die Aspekte Technik und Gestaltung betrachtet. Das Buch wird mit einem Kapitel zur digitalen Nachbearbeitung abgerundet und sollte damit jedes Thema behandeln, in dem ein Hobby-Fotograf Grundkenntnisse besitzen sollte.
Zielgruppe

Zur Zielgruppe dieses Buches gehören in erster Linie Einsteiger, die kein oder nur wenig fotografisches Hintergrundwissen besitzen, jedoch mehr über die Fotografie an sich sowie die technischen oder gestalterischen Grundlagen erfahren möchten. Auch Fortgeschrittene werden womöglich den ein oder anderen guten Hinweis finden, auf Spezialwissen wird jedoch weitgehend verzichtet, da dieses für Hobby-Fotografen kaum notwendig scheint. Einige relativ spezielle Aspekte sind als Exkurs ausgezeichnet und bieten Hintergrundwissen für besonders interessierte Leser.

Anliegen des Buches ist es, alle Bereiche der Fotografie und der eng mit ihr zusammenhängenden Gebiete zu vermitteln. Es wird also sowohl auf analoge als auch digitale Fotografie eingegangen, wobei der Schwerpunkt eher auf der weiter verbreiteten digitalen Fotografie liegt. Es werden auch Themen wie Farbgestaltung, Bildformate, Nachbearbeitung etc. behandelt und es werden wichtige Fachbegriffe erläutert. Das Buch ist nicht direkt als Nachschlagewerk konzipiert, kann aber natürlich trotzdem zum Nachschlagen bestimmter Themen verwendet werden. Auch für Leser, die sich nur in einem bestimmten Teilgebiet informieren wollen (etwa Bildgestaltung, Belichtung etc.) ist das Buch geeignet – es ist stark thematisch gegliedert.

Ziel des Buches ist ein ausführlicher, verständlicher Einstieg in das recht umfangreiche Sachgebiet – es ist keine Anleitung oder “How-to”. Der Schwerpunkt liegt eher auf dem Verständnis, was manchmal umfangreichere Ausführungen notwendig macht.
Gliederung

Nach dem Vorwort werden die Grundlagen der Fotografie vermittelt. Was ist Fotografie? Wo wird Fotografie angewendet, wie wird sie klassifiziert? Welche Vorteile bringt uns die Fotografie, welche Probleme verursacht sie? Was darf man alles fotografieren, was darf man veröffentlichen und wer behält am Ende die Bildrechte? Gerade dieses Kapitel wird Fragen klären, die die meisten konventionellen Bücher ignorieren.

Im Anschluss soll auf die Bildgestaltung näher eingegangen werden. Hierbei werden Dinge betrachtet, die gewissermaßen über der Fotografie stehen, das heißt allgemeiner als diese sind: Bildformate, Farbgestaltung, Auflösung, Dateiformate, Entstehung und Wirkung von Farben etc. stehen hier im Mittelpunkt. Das Kapitel ist vor allem für die später behandelte Bildgestaltung wichtig und kann auch für Personen aus anderen Fachgebieten (zum Beispiel Malerei) interessant sein.

Nach diesen beiden einführenden Kapiteln werden dann technische Bereiche abgedeckt. Im Kapitel “Aufbau und Funktionsweise der Kamera“ soll erläutert werden, welche Arten von Kameras es gibt, wie sie aufgebaut sind und wie das Aufnehmen von Fotos technisch funktioniert. Das daran anschließende Kapitel “Das Fotografieren” wird technische Hintergründe zum Aufnehmen von Fotos zum Hauptgegenstand haben. Was sind Brennweite, Objektiv und Zoom? Wann nimmt man kleine Brennweiten, wann große? Was bedeuten Belichtung, Blende, ISO-Wert und Belichtungskorrektur? Wie hängen sie zusammen und welche Wirkungen lassen sich erzielen? Für den technisch interessierten Leser werden diese beiden Kapitel den Höhepunkt bilden.

Der nächste Teil des Buches betrachtet weniger technische, als viel mehr gestalterische Aspekte und geht damit auf den künstlerischen Charakter der Fotografie ein. Es stellt Regeln vor, nach denen Fotos aufgenommen werden, um ästhetischen besonders ansprechend zu wirken. Dies ist natürlich immer stark vom fotografischen Genre abhängig; daher sollen hier neben fundiertem Grundlagenwissen auch spezielle Tipps zu den einzelnen Genres wie Landschaftsfotografie, Architekturfotografie, Porträts etc. gegeben werden.

Die Nachbearbeitung von digitalen Fotos ist heute fast nicht mehr wegzudenken und kann die kaum vermeidbaren Laienfehler und Artefakte oft beheben oder zumindest mildern. In dem letzten Kapitel des Buchs soll daher erläutert werden, welche typischen Möglichkeiten der Nachbearbeitung bestehen und wie diese mit Bildbearbeitungsprogrammen (zum Beispiel Gimp) etwa durchgeführt werden.

Fortsetzung folgt !




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Dieser Text wurde zuletzt am 7. August 2013 um 13:14 Uhr geändert.
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