Der Maler und Erfinder Louis Daguerre im Jahr 1844, Das Bild ist selbst eine Daguerreotypie von Jean-Baptiste Sabatier-Blot (1801–1881);

Charakteristik

Die Daguerreotypie ist eine Fotografie auf einer spiegelglatt polierten Metalloberfläche. Hierzu wurden in der Regel versilberte Kupferplatten von meist 0,65 bis 0,75 mm Stärke genutzt, die unter dem Namen Silberplaque von den Fabrikanten silberplakierter Waren verkauft wurden.

Die von Daguerre anfänglich verwendeten reinen Silberplatten erwiesen sich als zu kostspielig, kostensenkende Varianten mit unversilbertem Kupfer oder dünner Silberfolie hatten Nachteile.

Die Daguerreotypie lieferte von Anfang an gut nuancierte und fein strukturierte Bilder, die mit der Lupe betrachtet noch kleinste Details zeigen. Sie begründete dadurch bereits zu Beginn der Fotografiegeschichte einen hohen Standard, an dem sich alle späteren Verfahren messen lassen mussten
 
Der Bildton, ursprünglich ein helles Grau bis Blaugrau, konnte nach dem Einführen der von Hippolyte Fizeau am 23. März 1840 vorgestellten Goldtonungauch goldgelb sein und dadurch eine noch natürlichere Wirkung erzielen. Schwächen des Verfahrens sind ein hohes Gesundheitsrisiko für den Fotografen (Umgang mit giftigen Dämpfen)und eine seitenverkehrte Abbildung der aufgenommenen Motive. 
 
Ein Mangel war in der Anfangszeit darüber hinaus die recht geringe Lichtempfindlichkeit. Außerdem ist jede Daguerreotypie ein Unikat, das nicht ohne weiteres vervielfältigt werden kann, was allerdings seinerzeit ihre Wertschätzung eher erhöhte
 
Eine besondere und ganz charakteristische Einschränkung gibt es beim Betrachten der Bilder: Die Schattenpartien der Aufnahmen werden durch blankes Silber repräsentiert. Je nachdem, ob sich darin Licht oder Dunkelheit spiegelt, sieht man eine Daguerreotypie negativ oder positiv (sie wird allerdings den Positiv-Verfahren zugerechnet). Diese Unbequemlichkeit war ein Hauptgrund für den raschen Erfolg späterer Verfahren.

Kulturgeschichtliche Bedeutung


Nachdem sie in den ersten Jahren um 1840 wegen der langen Belichtungszeit hauptsächlich für Architekturaufnahmen verwendet wurden, erlangten die Daguerreotypien bald insbesondere als kleinformatige Porträts Popularität. Sie waren preiswerter als die bis zu dieser Zeit üblichen gemalten Miniaturen, dabei aber von unübertroffener, damals überraschender NaturtreueMan präsentierte sie daher in ähnlich eleganten Schatullen oder repräsentativen Bilderrahmen.

Das Fehlen der Farbe in den Abbildungen wurde meist gern in Kauf genommen. Allerdings entwickelte sich auch das Kolorieren bereits zu einer hohen Blüte, insbesondere bei den in Paris meistens als Stereoaufnahmen hergestellten Aktfotos.

Daneben wurden auch nahezu alle anderen Einsatzgebiete der Fotografie bereits durch Daguerreotypie-Aufnahmen begründet. Neben beispielsweise Stillleben, Reproduktionen von Gemälden oder Grafiken, Wissenschafts- und Reiseaufnahmen hat man auch zeitgeschichtliche Ereignisse festgehalten.

Die Aufnahmen der Ruinen der Brandkatastrophe 1842 in Hamburg von Hermann Biow gelten als die Anfänge des Fotojournalismus in Deutschland.

Popularität


Durch die Veröffentlichung der Daguerreotypie im Jahr 1839 konnte sich die Fotografie schon zu Beginn ihrer Geschichte innerhalb weniger Monate über die ganze Welt ausbreiten. Die Daguerreotypie erfreute sich bis gegen Ende der 1850er Jahre großer Beliebtheit. In der Schärfe und Detailgenauigkeit war sie auch dem ersten Negativ-Positiv-Verfahren der Talbotypie (auch bekannt als „Kalotypie“) von William Henry Fox Talbot deutlich überlegen, das zur selben Zeit hauptsächlich in Großbritannien gebräuchlich war. 
 
Sie war allerdings wegen des lästigen Spiegelns – anders als die Talbotypie – für große Bildformate und als Wandschmuck kaum geeignet. Das Daguerreotypie-Verfahren war in Europa bis etwa Mitte der 1850er Jahre vorherrschend (in den USA noch eine gewisse Zeit länger),wurde ab dann aber einerseits durch die Kollodium-Negativ-Verfahren und die Albumin-Abzüge (insbesondere die preiswerten Visitenkarten-Porträts), andererseits durch das auch auf dieser neuen Technologie beruhende Positiv-Verfahren der Ambrotypien verdrängt. Diese waren ebenfalls Unikate, dienten daher als Ersatz für die Daguerreotypien und wurden ähnlich kostbar eingefasst. Daguerreotypien sind jedoch seit etwa 1970 begehrte Sammelobjekte Außerdem haben seitdem künstlerisch ambitionierte Fotografen in der ganzen Welt das Verfahren als eigenes Stilmittel wieder aufgegriffen.

Verfahren


Daguerre hatte seit 1829 mit Nicéphore Nièpce, dem Erfinder der Heliografie, in Partnerschaft zusammengearbeitet. Sein Verfahren ist jedoch eine eigenständige Entwicklung, die auf völlig anderen Grundlagen als die Heliografie beruht.

Die Daguerreotypie basiert auf der Lichtempfindlichkeit von Silberhalogeniden.

Die versilberten Kupferplatten wurden zunächst sorgfältig poliert und dann durch Einwirkung von Joddampf lichtempfindlich gemacht. Später wurden die Platten zusätzlich auch noch Brom- und Chlordämpfen ausgesetzt, wodurch sich die Lichtempfindlichkeit der Platte erheblich erhöhte.[17] Durch die Bedampfung bildete sich an der Oberfläche der Silberschicht Silberiodid bzw. Silberbromid.

Die Platte musste danach im Dunkeln aufbewahrt und möglichst bald verwendet werden, weil sie nur kurzfristig haltbar war.

Beim Belichten („Exponieren“) setzte man sie an der Rückseite eines Fotoapparates dem durch das Objektiv der Kamera einfallenden Licht aus. Auf ihre Oberfläche wurde ein kopfüber stehendes und (in der Draufsicht) zudem seitenverkehrtes Bild projiziert.

 Wegen der geringen Empfindlichkeit des Jodsilbers dauerte eine Belichtung an der Sonne anfangs zehn bis fünfzehn Minuten, später jedoch durch Verbesserungen des Verfahrens und der Objektive weniger als eine halbe Minute, wodurch Porträts möglich wurden.

An den belichteten Stellen der Aufnahme wurde das Silberhalogenid zu metallischem Silber reduziert. Anschließend wurde mit Hilfe von Quecksilberdämpfen entwickelt. Auf der Trägerplatte lagerten sich dabei an den vorher vom Licht getroffenen Partien des sehr schwachen Silberbildes Quecksilber-Tröpfchen an. Nach dem Fixieren, anfangs in einer Meersalz-, später einer „Hyposulfit-“(Thiosulfat) oder Zyankali-Lösung, wobei sich die verbliebenen lichtempfindlichen Silbersalze auflösten, entstand ein äußerst lichtbeständiges, hellgraues Bild.

Der Quecksilber-Niederschlag war jedoch extrem berührungsempfindlich. Die Trägerplatte wurde deshalb zusammen mit einem Passepartout hinter eine Glasscheibe montiert und mit dieser zum Schutz vor Oxidation luftdicht verklebt, bevor man sie abschließend in ihre Einfassung (Schatulle oder Rahmen) setzte.

Die Verwendung von Quecksilberdämpfen und Zyankali war äußerst gesundheitsschädlich, weswegen viele Daguerreotypisten relativ früh verstarben.

Kameras

Daguerreotypie-Kamera, System Giroux
 
 


Spezielle Kameras für das Daguerreotypie-Verfahren wurden bereits im September 1839 zunächst von der Firma Susse Frères und wenige Tage später unter Daguerres persönlicher Lizenz (verdeutlicht durch dessen Namenszug auf einer angeschraubten Plakette) auch von dessen Schwager Alphonse Giroux angeboten. Es handelte sich bei den aus der Camera obscura entwickelten Apparaten um sogenannte Schiebekasten-Kameras. Deren Gehäuse bestand aus zwei ineinander geschobenen Teilen, mit deren Hilfe man die Entfernungseinstellung vornehmen konnte. Als Verschluss diente ein einfacher Deckel auf dem Objektiv, der beim Belichten von Hand abgenommen und wieder aufgesetzt wurde.

Von der Daguerréotype-Schiebekastenkamera des Pariser Herstellers Susse Frères ist nur noch ein Exemplar bekannt. Es wurde im Mai 2007 für 576.600 € in Wien versteigert.[

Von der nur wenig jüngeren Daguerréotype-Kamera des Herstellers Girouxexistieren weltweit etwa zehn Stück in Museen. Eine weitere Kamera dieser Bauart befand sich bis 2010 in Norddeutschland in Privatbesitz. Der Apparat wurde zusammen mit seiner deutschsprachigen Original-Gebrauchsanleitung von einem Wiener Auktionshaus am 29. Mai 2010 für netto 610.000 Euro beziehungsweise 732.000 Euro einschließlich Aufgeld versteigert und war dann ein Jahr lang die teuerste Kamera der Welt.Am 28. Mai 2011 wurde jedoch für eine Leica ein noch höherer Preis erzielt. Die Giroux-Daguerréotype-Kamera verfügte bereits über ein Magazin, das die Trägerplatte aufnahm und vor der Belichtung anstelle der für die Einstellungen erforderlichen Mattscheibe in den Apparat geschoben wurde.

Die Belichtungszeit konnte bereits 1840 mit dem ersten wissenschaftlich berechneten Porträtobjektiv des Wiener Professors Josef Petzval deutlich verkürzt werden (siehe Artikel Petzvalobjektiv). Der Optiker Friedrich von Voigtländer baute es im Auftrag Petzvals als Erster. Es hatte die 16-fache Lichtstärke des in den Giroux-Kameras verwendeten Objektivs.

Gleichzeitig mit dem Objektiv – und natürlich mit diesem ausgerüstet – entwickelte Voigtländer auch ein eigenständiges Kamera-System für Daguerreotypien. Sein Apparat war erstmals ganz aus Metall gefertigt und hatte die Form eines Kegels. Ein zweiter Kegel trug die Mattscheibe und eine Betrachtungslupe. Er wurde an den Ersteren angeschraubt, um die Aufnahme vorzubereiten, sodass die Kamera dann die Form eines Doppelkonus hatte. Als Zubehör gab es ein Tischstativ mit zwei Gabeln, in die man den Apparat lose hineinlegte, um ihn auszurichten und das Bild scharfzustellen. Vor dem Belichten trug der Daguerreotypist die ganze Kamera in die Dunkelkammer, schraubte dort statt des Betrachtungs-Moduls ein Magazin an, das die bei diesem Konzept kreisrunde Trägerplatte enthielt, und legte die Kamera anschließend wieder auf das bereitstehende Tischstativ. Auch für die abschließende Bearbeitung wurde wieder der ganze Apparat in die Dunkelkammer getragen. Das System war robust und zuverlässig, aber auf eine bestimmte Plattengröße und eine unübliche Form der Bilder festgelegt.

Platten



Die fabrikmäßig hergestellten Platten wurden, ausgehend von der ganzen Platte, vom Fotografen auf die jeweils benötigte Größe zugeschnitten. Diese kann daher im Einzelfall von den Maßangaben der nachfolgenden Tabelle leicht abweichen. Der Preis für ein Dutzend versilberter Kupferplatten im Normalformat 216 mm×162 mm lag in Deutschland anfänglich bei gut 42 Courantmark, der einer fertigen Aufnahme bei knapp 17 Courantmark.

Quelle: Wikipedia

 
Siehe auch:
Andere frühe Fotografieverfahren:


 Commons: Daguerreotypien – Sammlung von Bildern