Samstag, 21. Mai 2016

Blumenfotografie - Zeit versus Blende

Blumenfotografie - Zeit versus Blende
oder: "Der Wind als dritter Faktor"
von P. Burkes, Mai 2016


Von einer Reihe von Fotos mit verschiedenen Einstellungen blieb letztlich nur ein Foto übrig: geschossen mit 1/400. Alle anderen Fotos mit "schärferer" Blende und geringerem Zeitwert waren Müll. Es herrschte allerdings ganz leichter Wind.


Das Standardproblem bei der Blumenfotografie ist die Schärfe. Gleichgültig ob man mit Makro, oder wie ich, mit Teleobjektiv arbeitet.

Ideal wäre ein Blendenwert 11 aufwärts, somit eine hohe Tiefenschärfe. Damit gleicht man eventuelle Fehl-Fokussierungen aus, bei der die Fokussierautomatik nicht ganz richtig scharfstellt. Außerdem ist nicht nur ein Teil der Blüte scharf, sondern die ganze Blüte.

Aber das Problem ist der Wind, und sei es nur ein ganz  leichter Wind.

Meiner Erfahrung nach muss ich stets eine Reihe mit mehreren Einstellungen erstellen. Einmal mit kleinem Blendenwert (offene Blende) und kurzer Zeit, dann mit höherem Blendenwert (dadurch mehr Tiefenschärfe) und kurzer Zeit. Ich arbeite stets mit P-Automatik und ändere den Blendenwert, die Automatik zeigt mir die angepasste Zeit an.


Um mehr  Spielraum (vor allem bei der Zeit) zu haben, gehe ich manchmal von vornherein auf ISO 200 (bei höheren ISO-Werten wird es dann doch leicht körnig, vor allem, wenn man auch noch Details herausschneidet).

Normalerweise reicht mir 1/100 für Freihandaufnahmen, da ich eine ruhige Hand habe. Anderenfalls kann man mit Stativ arbeiten. Damit wäre scheinbar eine Richtlinie geschaffen: Stativ (oder ruhig halten) und möglichst hoher Blendenwert, 11 oder mehr. Die Verwacklung durch das Auslösen kann man mit 2-Sekunden-Verzögerung abfangen, Drahtauslöser ist also nicht unbedingt nötig.

Aber der Wind ist ein dritter Faktor. Da hilft die ruhigste Kamera nichts,  wenn sich das Objekt bewegt. Und damit braucht man sogar bei Stativ einen höheren Zeitwert. Der ist bei der Blumenfotografie sogar bemerkenswert hoch. Während bei einer fliegenden Biene oft 1/250 ausreicht, kann es sein, dass ich bei Blüten-Makrofotografie 1/400 brauche, um endlich ein scharfes Bild zu bekommen. Natürlich bei relativ offener Blende. Damit ich Tiefenschärfe habe, gehe ich etwas weiter zurück und arbeite mit mehr Tele oder zusätzlicher Ausschnittvergrößerung am PC bei der Nachbearbeitung. Bei einem Makro-Objektiv hat man diese Ausweichmöglichkeit nicht.

Bei obigem Bild habe ich mit dem Tele (SIGMA 18-200 ohne Bildstabilisator) einen Kastanienbaum-Blüte aus etwa 1 m Entfernung fotografiert. Das Objektiv hätte auch einen geringere Distanz ermöglicht, aber zugunsten der Tiefenschärfe bin ich etwas mehr auf Distanz gegangen. Ich baute auf möglichst hohen Zoom und zusätzlicher Ausschnittvergrößerung am PC. Trotz der vielen "Übung" blieb nur eine einzige Aufnahme übrig; überraschenderweise diejenige mit dem schnellsten Zeitwert (1/400) und damit der geringsten Tiefenschärfe. Der kaum spürbare, leichte Wind hat alle anderen Aufnahmen  unbrauchbar gemacht.


Fazit: Die Blumenfotografie ist für mich ein ständiger Tanz mit den Werten. Auch ein eigens angeschafftes teueres, lichtempfindliches Objektiv brachte mir nur wenig zusätzlichen Spielraum. Blumenfotografie ist eine ständige Herausforderung, aber eine, die mir Spaß macht und in Übung hält. Wo immer ich in Regensburg fotografiere, wende ich mich zwischendurch den kleinen Wiesenblumen "am Wegesrand" zu und übe.

Wer aber mehr an Ergebnissen interessiert ist als am "Training", der wird darin wohl wenig Spaßfaktor erkennen. Für den sind weitere Tricks interessant, auf die ich in einem späteren Artikel komme.

Am Wegesrand, wo ich dich fand ...

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